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Tag "Regime"

Dienstag, 6. März 2012

Medien und so. Republikanischer Super-Tuesday in den USA. “Hauptsache religiös und radikal”, titelt die taz. Obama hat derweil damit zu ringen, dass er dem israelischen Premier Netanjahu das Recht auf Selbstverteidigung nicht absprechen, gegenüber dem Iran aber bei Dipolmatie und Sanktionen bleiben will. Vorerst. “Meine Freunde, 2012 ist nicht 1944”, beharrt Netanjahu und meint damit, dass heute – im Gegensatz zu 1944, als die Amerikaner die Bombardierung des Konzentrationslagers Auschwitz mit der Begründung ablehnten, sie sei ineffektiv und würde die Deutschen bloß weiter provozieren – ein jüdischer Staat bestehe, dessen Aufgabe es sei, “jüdisches Leben zu verteidigen und die jüdische Zukunft zu sichern.“ Ein in dem Zusammenhang interessanter Vergleich zwischen der Krisenpolitik Netanjahus und derjenigen von Helmut Schmidt während des Deutschen Herbstes findet sich hier.

Darkness. Währenddessen scheint in Syrien der Rachefeldzug des Regimes weiterzugehen. Von den Titelseiten der großen Zeitungen der Berliner Republik ist das Thema aber verschwunden. Dafür berichtet – noch einmal – die taz aus einer anderen Weltregion des Horrors: Kolumbien. Dort sind seit Folter und Mord an dem Gewerkschaftler Luciano Romero zwar bereits fast sieben Jahre vergangen, doch jetzt wurde von der in Berlin ansässigen Anwaltsgruppe des „European Center for Constitutional and Human Rights“ (ECCHR) Strafanzeige gegen Nestlé erstattet. “Das ECCHR will damit einen ‘Beitrag zur Entwicklung von menschenrechtlichen Standards für Unternehmen in Regionen bewaffneten Konflikts und begrenzter Staatlichkeit’ leisten. Mit anderen Worten: Spitzenmanager multinationaler Unternehmen sollen in Zukunft am Stammsitz des Unternehmens für das Verhalten ihrer Tochterunternehmen in Konfliktregionen zur Verantwortung gezogen werden können”, resümiert Toni Keppeler.

Das alles meint Benjamin von Stuckrad-Barre wohl allerdings nicht, wenn er mit Katrin Bauerfeind darüber spricht, dass das Leben ein holpriger Weg voller Stolpersteine ist und dass es einem erstmal richtig schlecht gegangen sein muss, bevor es einem gut gehen kann. Klar, dass das der Arbeit, dem Werk hilft.  Deshalb darf er sich auch – Zettl hin oder her – folgendes Prädikat aus der ZEIT an seine Website hängen: “Einen besseren Chronisten unserer Zeit gibt es einfach nicht.”

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Dienstag, 21. Februar 2012

Während in den Feuilletons hierzulande die Debatte über Christian Kracht und die Methoden der Literaturkritik in die nächste Runde geht und ansonsten die Frage, ob Joachim Gauck all seinen taktischen Befürwortern als realer Bundespräsident doch noch auf die Füße fallen wird, die Printmedien beherrscht, liegt Homs seit 18 Tagen unter Beschuss durch die syrische Armee. Anscheinend mit Hunderten von Toten und Verletzten, für die es an medizinischer Hilfe genauso mangelt wie an Essbarem für die gesamte Stadt in Erwartung der Bodenoffensive.

Dass ausgerechnet Jonathan Littell am Ort des Geschehens ist (oder bis vor kurzem war) und von dort für die großen europäischen Zeitungen berichtet, verwundert kaum. Er schreibt über die Demonstrationen, auf denen eine “Atmosphäre grimmiger, verzweifelter Fröhlichkeit” herrscht: “Das Beeindruckende bei den Demonstrationen ist die Kraft, die von ihnen ausgeht. Sie dienen nicht nur als Ventil, zum Abreagieren der Tag um Tag angesammelten Spannung. Sie geben den Teilnehmern auch neue Energie, jeden Tag etwas mehr Kraft und Mut, um die Morde, die Verwundungen und Trauerfälle zu ertragen. Die syrische Revolution besteht – eine Seltenheit – weder allein dank der Waffen der FSA noch nur dank des Mutes der Aufständischen, sondern auch dank der Freude, dank Gesang und Tanz.” Ob sich das bis heute fortsetzt ist fraglich. Littell berichtet auch über die Versuche der Aktivisten, das sie umgebende Grauen aufzuzeichnen und der Welt mitzuteilen. “Westliche Medien verwenden nur sehr wenige dieser Quellen, wegen Zweifeln an ihrer Verlässlichkeit. Doch stellen diese manchmal wackligen Bilder, die in unmittelbarer Nähe der vom syrischen Regime begangenen Gräuel aufgenommen werden, eine unschätzbare Informationsquelle dar – das Werk von Leuten, die dabei tagtäglich ihr Leben riskieren. Dazu sagt mir einer der Aktivisten eines Abends: ‘Unsere Eltern wurden von der Angst unterdrückt. Wir haben die Mauer der Angst durchbrochen. Entweder wir siegen, oder wir sterben.'”

Avaaz.org ruft zur Unterzeichnung einer Petition auf, deren Ergebnis am 24. Februar in Tunis den Druck auf die Delegierten der von Mitgliedern der arabischen Liga initiierten internationalen Konferenz zur Lage in Syrien in Richtung eines entschlossenen politischen Handelns erhöhen soll.

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