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Tag "Adorno"

wolken

Regisseur: Scheiße, jetzt regnet’s ja doch richtig. Ich muss los!
Redakteur: Ich auch. Wie spät ist es denn?
Regisseur: Fünf nach neun.
Redakteur: Dann geht’s ja.
Regisseur: Ja.

Architektin: Ich war neulich auf einem Symposium zum Neoliberalismus. Fazit: alles großer Mist mit wenig Aussicht auf Verbesserungen.
Regisseur: So sieht’s wohl aus.
Redakteur: Wofür macht man dann sowas?
Regisseur: Was? Neoliberalismus?
Architektin: Darüber reden?
Redakteur: Ich muss jetzt doch los.
Regisseur: War klar.

Architektin: Die Veranstaltung hieß Theory and Politics beyond Neoliberalism. Mich hat vor allem das Beyond interessiert.
Regisseur: Und?
Architektin: Keine Chance, von heute aus betrachtet.
Redakteur: Es gibt ja durchaus auch intelligente Menschen, die sagen würden, der Wunsch, den Kapitalismus zu überwinden, sei kindisch und man solle lieber seine Potenziale nutzen lernen.
Regisseur: Solche Leute kennst du?

Architektin: Immer noch besser, als Martin Schulz als Hoffnungsträger zu sehen.
Redakteur: Wieso das denn?
Architektin: Weil die Sozis konformistisch sind, was nicht nur an ihrer schlechten politischen Taktik liegt, sondern vor allem daran, dass sie ganz und gar falsche Vorstellungen von Ökonomie und Arbeit haben. Sagt schon Benjamin in seinen Thesen über den Begriff der Geschichte. Hab ich im Anschluss an das Symposium nachgelesen.
Regisseur: Dann hat’s ja doch was gebracht.
Architektin: Genau. Arbeit, sagt Benjamin da, gilt den Sozis gegen jede Vernunft und jede ihre Organisation betreffende Beobachtung als der Heiland der neuen Zeit. Und Schulz klingt heute immer noch so. Außerdem wird er kaum anderes bringen als Schröder, dessen Agenda er seit den Anfängen im Präsidium mitgetragen hat.

Redakteur: Das nenn ich mal ein politisches Statement. Also heißt die Devise: weiter so und weiter rummotzen!
Regisseur: Wenn’s der Selbstvergewisserung dient.
Architektin: Wenn es kein Projekt gibt, mit dem man sich solidarisch erklären kann, muss man eben bei sich bleiben und sein Denken für sich schärfen. Flaschenpost und so.
Redakteur: Blabla. Hauptsache Adorno. Überlegt doch mal: Wenn ihr mit eurem Katastrophendenken recht habt: An wen soll denn dann bitte eine Flaschenpost gehen?
Architektin: Schwierige Frage. Neulich habe ich in einem Interview mit einem Klimaforscher gelesen, wenn vereinbarte Klimaziele nicht erreicht werden und der Meeresspiegel um etwa sieben Meter steigt, wird die Menschheit dennoch überleben – zumindest zum Teil.

Regisseur: Na, dann ist ja gut.
Redakteur: Sehr lustig. Ich muss los. Regnet auch kaum noch.
Regisseur: Ich auch. Ich schau mir später Julian Radelmaiers Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes im Kino an. Soll formal sehr radikal und auch ganz witzig sein.
Architektin: Cool. Da komm ich mit.
Regisseur: Äh …
Architektin: Warn Spaß. Da arbeite ich noch.

Redakteur: Ich geh mal zahlen.

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“Einer Menschheit, welche Not nicht mehr kennt, dämmert gar etwas von dem Wahnhaften, Vergeblichen all der Veranstaltungen, welche bis dahin getroffen wurden, um der Not zu entgehen, und welche die Not mit dem Reichtum erweitert reproduzierten. Genuss selber würde davon berührt, so wie sein gegenwärtiges Schema von der Betriebsamkeit, dem Planen, seinen Willen Haben, Unterjochen nicht getrennt werden kann. Rien faire comme une bête, auf dem Wasser liegen und friedlich in den Himmel schauen, ‘sein, sonst nichts, ohne alle weitere Bestimmung und Erfüllung’ könnte an Stelle von Prozeß, Tun, Erfüllen treten und so wahrhaft das Versprechen der dialektischen Logik einlösen, in ihren Ursprung zu münden. Keiner unter den abstrakten Begriffen kommt der erfüllten Utopie näher als der vom ewigen Frieden.”

Adorno, Minima Moralia

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