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Gewalt der Verhältnisse

Gramsci hatte mit seinen Untersuchungen zur Rolle des integralen Intellektuellen, zu Stellungskrieg und permanenter Revolution entgegen seinen Intentionen Schützenhilfe für das auf neue Höhepunkte zusteuernde Projekt der Rechten in Europa und der Welt geleistet. Das ließ sich wohl gerade heute nicht leugnen. Andererseits bestätigte es die Fruchtbarkeit der Theorie, wenn auch, wie so oft, wenn Ideen in die Wirklichkeit entlassen wurden, auf erschreckende Art und Weise. Alle Erfahrung zeigte, dass sich Sperrmechanismen für vom Erdenker unerwünschte Nutzungen kaum je in Ideen oder Produkte einbauen ließen. Jede Entäußerung tendierte zwangsläufig zur Warenform.

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Nichts ging. Noch immer stand die Straßenbahn; nach wie vor sah Henning direkt auf die Leiche hinab. Es war ein Verkehrsunfall gewesen. Ein Mann war in der Dunkelheit des Morgens direkt vor ein Auto gelaufen. Sein Körper hatte dem Aufprall auf die in Beschleunigung begriffene Karosserie nicht standhalten können; der Aufschlag auf die starre Härte des Asphalts Sekundenbruchteile später gab ihm den Rest. Jetzt war er tot. Jedenfalls rührte er sich nicht und verursachte einige Aufregung im einsetzenden Berufsverkehr. Durch die mit Werbung teilbeklebte, vom Schneeregen nasse Scheibe war es Henning unmöglich, das Gesicht des Verunglückten zu erkennen. Den größten Teil der Zeit über wurde es außerdem von den Rücken anderer Personen verdeckt, die sich um die Unglücksstelle scharrten oder zwischen Unfallwagen, Fahrer und Opfer hin- und herliefen. Henning presste, um das Geschehen besser verfolgen zu können, die bemützte Stirn ans kalte Glas, als auf einmal eine Frau, die in etwa in seinem Alter sein mochte, herbeistürzte, um sich auf den Leichnam zu werfen. Voller Inbrunst klammerte sie sich an den Toten, als könne sie ihn durch ihre Kraft fest und im Leben halten. Henning gelang es nicht, den Blick von diesem alles Übrige relativierenden Schauspiel abzuwenden. Dabei hätte er, nachdem die erste Welle der Neugier abgeklungen war, schon aus Pietät nichts lieber getan. Niemand in der Bahn sagte etwas. Wenn ich mehr ich wäre, dachte Henning, würde ich etwas empfinden, das die Distanz zwischen mir und den Ereignissen aufhebt. Dann endlich, nach langen Minuten kamen zwei Sanitäter, lösten die Frau von dem leblosen Körper und führten sie mit sanfter Gewalt fort. Ein dritter deckte den Leichnam mit einer Plane zu, und schließlich setzte sich die Bahn wieder in Bewegung. Einer nervösen Gewohnheit folgend zupfte Henning Schal und Jacke zurecht.

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Das leere Zentrum der Vernunft – und nicht etwa ihr Schlaf – gebiert die durch und durch rationalen Monstren von Menschenhandel, Folter und Rackets aller Orten. Besonders drastisch ist das seit Jahren in Mexiko zu besichtigen, das in Teilen mehr und mehr einer Splatter-Phantasie Tarantinos zu gleichen scheint.

Wer sich mit der Tendenz der Berichterstattung, jeden neuen Mord wie eh und je unter der Rubrik “Drogenkrieg” zu verbuchen und ihn so zu den Obskuritäten-Akten aus einer fernen und unverständlichen Welt zu legen, nicht zufrieden geben will, kann den gewaltätig aktuellen Stand der Dinge in Antonio Ortuños wuchtigem Roman “Die Verbrannten” nachlesen. Darin erfährt die Protagonistin das Zusammenspiel von Bandenkriminalität, staatlichen Akteuren und zu massenhaft verfügbarer Ware entmenschlichten Migranten auf verschiedenen Ebenen hautnah, womit nicht nur ihr, sondern auch der Leserin und dem Leser einiges zugemutet wird.

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Das hat schon die Kolossale Jugend 1990 besungen. Und zwar, wie die Zeit 17 Jahre später resümiert, “widerborstig”, in einem “Gehäcksel aus wohldurchdachten aber kaum verständlichen Satzfetzen”, die den Status quo der Weltlage irgendwie mit dem persönlichen Unbehagen und Nichtverstehen kurzschließen: Alle Feind. Was man als Jugendlicher eben so empfindet.

Geht natürlich gar nicht für ein größeres Publikum, das Kino erreichen will. Wenn es 2015 also angeblich Neues zur alten DDR und ihrem Fortleben im vereinigten Deutschland gibt, dann zwar selbstverständlich mit Bezug zu irgendeiner – vor allem als Zielgruppe als kolossal eingestuften – Jugend; aber bitte so, dass alle mitgehen können.

 

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Unter diesen Voraussetzungen einigt man sich dann schnell darauf, der Jugend eins zuzutrauen, nämlich dass sie träumt. Schon weil ihr in den Wirren des Umbruchs im ideologisch noch bis zum Anschlag verkrusteten Land jugend-typisch allein gelassen gar nichts anderes übrig bleibt. Wenn man sich allerdings erhofft hat, von Andreas Dresens Als wir träumten mehr zu erfahren, als dass die Erwachsenen, auch wenn man sie nicht mehr ernst nimmt, immer noch alles besser wissen; dass Drogen, wenn sie plötzlich auftauchen, über einen hereinbrechen und Freundschaften zerstören; und dass  jeder sich selbst gern für den größten hält, wird man enttäuscht.

Einmal mehr kommt hier ein Ensemble hervorragender Darsteller nicht gegen ein Drehbuch an, das gar nicht wirklich weiß, wovon es eigentlich erzählen will – was sind denn die Träume, die in dieser speziellen Situation geträumt worden sind und die der Off-Text so verstrahlt-kitschig beschwört?

Genauso machtlos sind die Schauspieler gegen eine Regie, die sich – nach tollen, einfühlsamen Filmen wie Halt auf freier Strecke – einmal hart geben möchte, dabei aber nur ein Durcheinander an gleichförmig stumpfen Gruppenhysteriebildern von der Stange hinbekommt und Neonazigewalt völlig entpolitisiert nicht anders inszenieren kann denn als lächerlich. Soll beim Popkorn ja auch niemandem weh tun. Dazu gibt es die schlimmsten Dialoge, die man im Film zwischen unbeholfen liebenden Jugendlichen seit langer Zeit hören durfte – à la “Du bist gut und ich bin schlecht.” Aua.

 

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Ganz andere Kaliber in dem Zusammenhang und jede Empfehlung wert: Peter Richters grandioser Roman 89/90 über die Wendejahre in Dresden und die gerade im Kleinen Fernsehspiel wiederholten Filme Kombat Sechzehn und Kriegerin. So überzeugend (und unterschiedlich) lassen sich die Folgen vergeigter Träume der Vorgängergenerationen (Osten war rot) und das Unbehagen, das man mit dem Aufwachsen in einer fast immer mehr oder weniger unverständlichen Welt generell empfindet, mit literarisch/filmisch Mitteln verdichten. Wenn es nachvollziehbare Charaktere, echte Konflikte und den Mut gibt, dem Leser/Zuschauer an den entscheidenden Stellen eben doch ein wenig mehr zuzumuten.

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jungstark    (c) Zorro Film

Wir sind jung. Wir sind stark. Die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen als Studie zum Charakter einer weiteren verlorenen Generation (und ihrer Familien), in diesem Fall derjenigen der Ex-DDR-Jugend nach der deutschen Vereinigung.

Detailversessen stellt Regisseur Burhan Qurbani den dritten Tag der Belagerung des Sonnenblumenhauses nach. Er folgt einer Gruppe unentschlossen Suchender zwischen Orientierungslosigkeit und Vereinnahmung durch rechte Kader, bildet die Rostocker Politikposse und die vietnamesische Community ab und zeigt den einzig am Spektakel interessierten Mob und die Vertreter der Medien vor Ort. Dabei verlässt er sich auf viele im einzelnen gute Ideen – wie einen Sängerstreit zwischen Rechtsrock, “Live is life” und  der Internationalen – sowie ein absolut überzeugendes Ensembel frischer Gesichter. Neben Jonas Nay fällt da vor allem Joel Basman positiv auf, der seiner Rolle eine energetische Richtungslosigkeit gibt, wie man sie im deutschen Film lange nicht gesehen hat, und auf dessen Hauptrolle bei Andreas Dresen man sich von daher freuen kann.

Trotzdem bleibt am Ende vor allem die Frage: Möchte man sich diese durchaus erzählenswerten Coming of Age-Geschichten und Sozialisierungsdramolette wirklich vor der Folie der “massivsten rassistisch motivierten Angriffe der deutschen Nachkriegsgeschichte” (Wikipedia) erzählen lassen – und die damit ein weiteres Mal zur leicht konsumierbaren Unterhaltung für die Massen degradiert sehen? Eigentlich wohl eher nicht.

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Dass Köpfen, Foltern und Morden nicht nur Sharia-konform und mit Bezug zum IS-Kalifat geht, sondern auch ganz profan aus Habgier, zur Selbstbestätigung oder im Rahmen einer von Kindesbeinen an eingeübten schlechten Realität, ist nicht ganz neu. So eindrücklich und vom Gegenstand nicht mehr als nötig beeindruckt wie hier hat man die Möglichkeiten des Lebens unter ganz und gar verrohten Bedingungen im Kino aber kaum einmal vorgeführt bekommen. In ruhigen Bildern erzählt Heli mit starken Darstellern von kleinen Träumen, großer Abgestumpftheit, der Autoteilefabrik als trügerischer Hoffnung und der dünnen Decke aus Farbe, Volkszählung und Wäschemachen, die die Traumata notdürftig verdeckt.

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Letzten Montag, vor dem Deutschlandspiel, daher immer mit Blick auf Uhr und Ende (auch eine Form der Beschleunigung): Die Akzelerationisten stellen bei Pro qm ihren Reader #Accelerate#2 (Spekulation) vor. Mit: Armen Avanessian, Robin Mackay, Patricia Reed, Alex Williams und Steven Shaviro.

Wer nach Lektüre des im Mai 2013 im Netz veröffentlichten ACCELERATE MANIFESTO mit seinen recht konkreten Schritten zur Etablierung einer antikapitalistischen Hegemonie (“First, we need to build an intellectual infrastructure …”) jetzt einen Bericht vom Stand der Dinge und der Bewegung erwartet hatte, wurde enttäuscht. Das raunende Insistieren darauf, dass der Begriff der Akzeleration ein häretischer sei, der seit den Tagen des frühen Marx durch die Theoriebildung geistere, hilft bei der Suche nach Strategien und Verbündeten ungefähr soviel wie das Bashing von Žižek und seiner Londoner “Idee des Kommunismus”-Konferenz.

Immerhin gut zu erfahren, dass kritische Theorie hier zur Kenntnis nimmt, auf welchen Wegen ihre potenziellen Adressaten heute erreichbar sein könnten: Da draußen bestimmen Laptops, Smartphones, Social Media und Hashtags das Kommunikationsverhalten! Ob dieses Wissen allein allerdings schon ausreicht, um sich mittelfristig an die Spitze von Innovation und Beschleunigung zu setzen und den Konzernen ihren Technologievorsprung zu entreissen, bleibt fraglich. (Vielleicht wäre ein erster tastender Schritt in diesem Zusammenhang, sich als nächstes Gadget zur Abwechslung mal ein fairphone zu bestellen?)

Auf die Frage nach dem konkreten politischen Nutzen des neuen Lables jedenfalls beharrt Steven Shaviro denn auch darauf, dass das Feld des Akzelerationismus für ihn eher im Ästhetischen zu liegen scheint. An Armen Avanessians  Stirnrunzeln ist abzulesen, dass er damit nicht für alle Anwesenden spricht.

Wie dem auch sei: Kurz vor zehn muss aus Rücksichtnahme auf die WM in Brasilien sowieso Schluss sein. Und – thanks to Steven Shaviro – nimmt man auf alle Fälle zwei Ideen mit in den angenehm lauen Abend: 1. Oscar Wilde lesen. Der war seiner Zeit bekanntlich voraus. 2. Noch mehr lesen: Dystopien von Richard K. Morgan.

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Freitag, 14. Dezember 2012

Nachdem die Zeiten der euphorischen Verschränkung von Nachtlebenkultur und Selbstausbeutung in so genannten kreativwirtschaftlichen Nischen zumindest für die ersten beiden Generationen allmählich vorbei scheinen, geht der Trend bei gereiften Protagonisten ganz offensichtlich zu neuen Formen von Freizeit-Buddhismus und Neo Schamanentum.

Hatte es Avi im Privaten bereits seit Jahren verwundert, dass einstmals politisch wache Köpfe sich seit Ende der Neunziger darauf verlegten, ihren Reise- und Lebenshedonismus (um deren ungefiltertes Ausleben man sie unter Umständen noch hätte beneiden können) mit krudesten Weltverschwörungstheorien kurzzuschließen, so war jetzt offensichtlich die nächste Welle im Anrollen: Lebensberichte von zu Neo Schamanen bekehrten Ex-Art-Direktoren mitten aus dem Zentrum der Agenturlandschaft. Und mit einiger Sicherheit konnte man annehmen, dass das, was Harald Renkel und andere bisher im Selbstverlag herausgaben, schnell auch von Publikumsverlagen als aktuelles Update eigentlich überholt geglaubter Trends entdeckt und breit vermarktet werden würde. Man google dazu bei Interesse selbst.

Oder – besser – man beschäftige sich mit der anderen Seite. In der Jungle World findet sich diese Woche ein interessantes Interview mit zwei Mitgliedern von Crimethinc, einem dezentralen anarchistischen Kollektiv, das sich unter anderem Gedanken darüber macht, wie in nachrevolutionärer Zeit mit Call Centern und anderen Auswüchsen des derzeitigen Kapitalismus umgegangen werden soll: “Das wird ganz anders aussehen als in den Phantasien der Leute vor hundert Jahren, als die Idee war, dass wir einfach die Fabriken für uns arbeiten lassen, dass wir einfach weiter Waren produzieren. Heute, da immer mehr Leute Dinge tun, die außerhalb des kapitalistischen Rahmens keinen Sinn ergeben wie beispielsweise Telefonmarketing, wird die Beschlagnahmung der Produktion tatsächlich viel destruktiver aussehen. … Es gibt keine natürliche Welt, zu der man zurückkehren könnte. Es wird keine primitivistische Zukunft gebeben, sondern eine Steampunk-Zukunft, in der all die vom Kapitalismus produzierten Trümmer einem Nutzen zugeführt werden.”

Im Gegensatz zum esoterischen Rollback in Berlin Mitte gibt es hier jedenfalls eine ganze Menge Bewusstsein in Bezug auf einige die Gegenwart prägenden Realitäten wie die mannigfaltigen Arten der Vergesellschaftung inmitten gleichzeitig existierender und zu überwindender Widersprüche. Vor allem aber dafür, dass die Inseln, auf denen sich von Dingen wie dem Ausstieg ins Schamanentum halluzinieren lässt, enger werden und umkämpfter. Was dann eben auch heißt, dass Felder, auf denen es keine Emanzipation, keine Revolution und keinen Fortschritt gibt, vom Faschismus besetzt werden können. Nachzulesen demnächst hier.

Apropos nachlesen. Hier noch der erweiterte Teaser zu irgendetwas ganz Großem, das irgendwann einmal kommen wird. Als Gesellschaftsroman nach den Gesellschaften, wie wir sie kennen, als Film oder ganz anders: Ein halbes Jahrtausend oder: Strand der Toten

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I am simultaneously happy and unhappy, exalted and depressed, overcome by both pleasure and despair in the most contradictory harmonies. I am so cheerful and yet so sad that my tears reflect at once both heaven and earth. If only for the joy of my sadness, I wish there were no death on this earth.

(E.M. Cioran, via Alfredo Jaar)

 

Mittwoch, 25. Juli 2012

Den Gegenpol zur Koonsschen mit Traditionsverweisen kunstmarktkomplexitätsgerecht angereicherten Affirmation des US-amerikanischen Glücksversprechens, dass jeder das Paradies auf Erden zu erreichen in der Lage sei, kann man noch bis zum 19. August in der NGBK besichtigen: das aus der Feindlichkeit seiner Umgebung geborene intervenierende Frühwerk des chilenischen Künstlers Alfredo Jaar. Die Schrecken der von Gewalt-, Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen geprägten globalisierten und militarisierten Welt werden hier in subtiler Form in den öffentlichen Raum zurückprojiziert – häufig mit Hilfe eben der Medien, die normalerweise dazu dienen, gesellschaftliche Hegemonie als öffentlichen Meinung im Sinn der herrschenden Verhältnisse zu verallgemeinern und durchzusetzen.

 

Sind Sie glücklich? (– im Jahr vier nach dem Militärputsch)

 

Besonders empfohlen sei hier der opulente Katalog, der mit Textbeiträgen unter anderem von Chantal Mouffe nicht zuletz der Bedeutung des Künstlers als organischem Intellektuellem in Gramscis Denkart nachgeht – der auch nach einem Jahrzehnt der Beschäftigung mit dem Genozid in Ruanda noch entgegen einem notwendigen Pessimismus des Intellekts mit dem italienischen Philosophen auf einem Optimismus des Willens beharrt – wenn er diesen auch mit dem Zusatz versieht, er sei nicht “comletely convinced”. (Und um die Zeit der Jahrtausendwende bemerkt, dass seine Arbeiten im Lauf der Zeit einen Gutteil ihrer ursprünglichen Leichtigkeit verloren haben.)

Eine ähnlich gesellschaftlich-organische Rolle sieht im taz-Interview der Schriftsteller Mohammad al-Attar (ebenfalls beseelt von einem nicht unbeträchtlichen Herzensoptimismus, wie es scheint) für die syrischen Künstler in der Zeit nach der Revolution vor: “In solchen Situationen sind Kultur und Kunst kein Luxus, sie sind notwendig. Es wird eine ihrer großen Aufgaben sein, den Umgang mit Schmerz und die Erinnerung an ihn kritisch zu begleiten. Nur dann können die tiefen Wunden heilen.”

 

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Freitag, 25. Mai 2012

Die morgendliche Sichtung der deutschen Feuilletons via Perlentaucher bescherte Avi einmal mehr gemischte Gefühle. Nicht nur, dass er dort vom anhaltenden medialen Getöse lesen musste, das Sibylle Lewitscharoff mit ihrem nutzerdissenden Kulturpessimismus diesmal in der FR veranstaltete. In einem “Was wäre wenn?”-Szenario spielte (um zu den ernsteren Themen zu kommen) die Jüdische Allgemeine satirisch das deutsche Medienecho auf einen iranischen Raketenangriff auf Tel Aviv durch: “Kein Blut für Tel Aviv” wäre wohl, was unterm Strich herauskäme.

Ärgerlich auch diese Zusammenfassung eines Spiegel Online-Artikels: “Wieder einmal klagt die bewährte Allianz von FAZ und SZ gegen einen Internetdienst, der Artikel dieser und anderer Medien durch Verlinkung von Überschriften zugänglich macht. Diesmal handelt es sich um Echobot, meldet Ole Reißmann: ‘FAZ und SZ argumentieren, dass schon für die Übernahme von Überschriften und Artikelauszügen eine Erlaubnis des jeweiligen Verlags notwendig sei. Außerdem stören sie sich daran, dass Echobot die Artikel für seine Nutzer zugänglich macht – mit einem Klick wird die Original-Website auf der Echobot-Seite eingebettet, so ähnlich wie ein YouTube-Video.'” Das durfte ja wohl nicht wahr sein, dachte Avi. Aber immerhin markierte es eine Grenze zwischen Freund und Feind, auf die man in Zukunft achten sollte.

Sehr heiter dagegen: das neue Video von FSK passend zum Thema: Lady Chatterly

Und als Zugabe der neue Polanski, den Prada als Werbeclip schaltet. Skurril. Aber der Mann muss ja auch von irgendwas leben. Genau wie seine Darsteller.

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