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Darkness

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Immer große Pläne, aber keinen Plan. Zumindest keinen, was zu tun war. Aber der hatte schon anderen bedeutenden Geistern gefehlt. Und wenn sie ihn gehabt hatten, führte jede Umsetzung geradezu unweigerlich dahin, das Große und Ganze noch zu verschlimmern. Zumindest für erste, lange Zeiten. Kannte man. Konnte man sehen. Musste man sich nur die Geschichte anschauen. Aber man konnte auch nur schlecht immerzu nichts tun. Dafür war die Eitelkeit, selbst wenn man sie sich abzutrainieren bemüht war, zu groß. Zu sehr beständig schmerzender Stachel im Fleisch des so genannten Geistes. (Dass man über letzteren immer noch sprach und sprechen musste!)

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Das leere Zentrum der Vernunft – und nicht etwa ihr Schlaf – gebiert die durch und durch rationalen Monstren von Menschenhandel, Folter und Rackets aller Orten. Besonders drastisch ist das seit Jahren in Mexiko zu besichtigen, das in Teilen mehr und mehr einer Splatter-Phantasie Tarantinos zu gleichen scheint.

Wer sich mit der Tendenz der Berichterstattung, jeden neuen Mord wie eh und je unter der Rubrik “Drogenkrieg” zu verbuchen und ihn so zu den Obskuritäten-Akten aus einer fernen und unverständlichen Welt zu legen, nicht zufrieden geben will, kann den gewaltätig aktuellen Stand der Dinge in Antonio Ortuños wuchtigem Roman “Die Verbrannten” nachlesen. Darin erfährt die Protagonistin das Zusammenspiel von Bandenkriminalität, staatlichen Akteuren und zu massenhaft verfügbarer Ware entmenschlichten Migranten auf verschiedenen Ebenen hautnah, womit nicht nur ihr, sondern auch der Leserin und dem Leser einiges zugemutet wird.

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Dass Köpfen, Foltern und Morden nicht nur Sharia-konform und mit Bezug zum IS-Kalifat geht, sondern auch ganz profan aus Habgier, zur Selbstbestätigung oder im Rahmen einer von Kindesbeinen an eingeübten schlechten Realität, ist nicht ganz neu. So eindrücklich und vom Gegenstand nicht mehr als nötig beeindruckt wie hier hat man die Möglichkeiten des Lebens unter ganz und gar verrohten Bedingungen im Kino aber kaum einmal vorgeführt bekommen. In ruhigen Bildern erzählt Heli mit starken Darstellern von kleinen Träumen, großer Abgestumpftheit, der Autoteilefabrik als trügerischer Hoffnung und der dünnen Decke aus Farbe, Volkszählung und Wäschemachen, die die Traumata notdürftig verdeckt.

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Dienstag, 26. Februar 2013

Auch Werber arbeiten dann und wann für eine bessere Welt. Derzeit wohl bekanntestes – und seit einigen Tagen als Verfilmung auch Oscar-prämiertes – Beispiel: René Saavedra mit seiner Kampagne zur Verhinderung einer weiteren Amtszeit für Augusto Pinochet in Chile 1988. Man lade das No! mit Happiness-Attributen aus dem neoliberalen Werbebaukasten auf und verkaufe die Demokratie als großes Glücksversprechen. Und schon geht das Regime in die Knie. Vor den Werkzeugen, die es selbst ins Land geholt und aufgebaut hat, und nicht etwa vor der Wut der 15 Jahre lang unterdrückten Bevöllkerung. (Um den Oscar zu gewinnen, besetze man dann noch René Saavedra mit Gael García Bernal.)

Aber auch Texter texten bisweilen Beeindruckendes mit gehörigem impact. So Kathrine Taylor, die als Copywriter in der Agentur ihres Mannes arbeitete und 1938 beim New Yorker Story Magazine unter dem Pseudonyme Kressmann Taylor den sehr kurzen aber umso hellsichtigeren Briefroman “Address Unknown” veröffentlichte. In einer Besprechung der New York Times Book Review von 1939 heißt es – wie Lois Rosenthal, die Herausgeberin von Story im Nachwort der seit 2000 vorliegenden deutschen Ausgabe schreibt: “Diese moderne Geschichte ist die Perfektion selbst. Sie ist die stärkste Anklage gegen den Nationalsozialismus, die man sich in der Literatur vorstellen kann.” Womit sie nicht ganz unrecht hat.

Elke Heidenreich darf ergänzen: “Ich habe nie auf weniger Seiten ein größeres Drama gelesen. Diese Geschichte ist meisterhaft, sie ist mit unübertrefflicher Spannung gebaut, in irritierender Kürze, kein Wort zuviel, keines fehlt. Ohne Umschweife werden exemplarische Lebensgeschichten erzählt, wird Zeitgeschichte [der Jahre 1932 und 33] dokumentiert. Der Jude ist kein Gutmensch, der sich alles bieten lässt, sondern liefert die Mörder selbst ans Messer, und: Der Deutsche ist kein sadistischer Unhold, sondern ein opportunes [oder eher: opportunistisches?, Entschuldigung … ] Würstchen. Wenn es auf Leben und Tod geht, das zeigt die Autorin, dann geht es nur noch ums Überleben. […] Nie wurde das zersetzende Gift des Nationalsozialismus eindringlicher beschrieben. »Adressat unbekannt« sollte Schullektüre werden, Pflichtlektüre für Studenten, es sollte in den Zeitungen abgedruckt und in den Cafés diskutiert werden.” Das sollte es auf jeden Fall.

Und wie gesagt: Das Buch erschien 1938. Als hierzulande bekanntlich noch niemand auch nur ahnen konnte, was vorging.

Über das ebenfalls spannende Thema, wie durch Werbung die kapitalistischen Verhältnisse der späten 1950er Jahre überwunden werden sollten, und über Marcel Mariëns »Théorie de la révolution mondiale immédiate« mit ihrem »Freizeitclub« kann man einstweilen im Jungle World-Archiv bei Holm Friebe nachlesen.

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Freitag, 4. Januar 2013

Dass sich die Welt mit dem Jahreswechsel groß ändern würde, stand auch nach der neuerlich verpassten Chance auf ihren Untergang am 21. Dezember nicht zu erwarten. Vor allem, was bestehende Ressentiments, Vorurteile, Stereotypen, Ideologien und deren Versatzstücke angeht. Deutlich wird das immer dann, wenn resümierend auf die vergangenen zwölf Monate zurückgeblickt wird. Beispielsweise in Form von Top Ten Listen wie der des Simon Wiesenthal Centers mit dem Titel 2012 Top Ten Anti-Israel/Anti-Semitic Slurs: Mainstream Anti-Semitism Threatens World Peace.

Klar kann man fragen, ob die Bedeutung eines Jakob Augstein mit einem 9. Platz unter den gefährlichsten antisemitischen Verunglimpfern des Jahres nicht vielleicht überschätzt wird. Sicher werden viele die Nase rümpfen und fragen, ob man nicht endlich mal über anders reden könne – zum Beispiel darüber, dass Henryk M. Broder eine “Witzfigur” sei und, wahrscheinlich aus bloßer Wichtigtuerei und zum privaten Vergnügen, eine weitere Rufmordkampagne anzettele oder weiterführe, noch dazu in der “Sprache Hitlers und Goebbels'”, wie in der Berliner Zeitung zu lesen. Aber es gibt – auch daran ändert sich im neuen Jahr nichts – viele Anzeichen dafür, dass der Antisemitismus in Deutschland noch lange nicht aufgearbeitet und ausgetrieben, sondern im Gegenteil als Einstellung noch immer absolut hegemonial ist.

Nachzulesen ist das beispielsweise in Tuvia Tenenboms Deutschlandreisebuch “Allein unter Deutschen”. Zwar kann man mit Barbara Bollwahn berechtigt Anstoß an der dargebotenen “Sacha Baron Cohen-Attitüde” nehmen oder nach dem Erkenntnisgewinn des Buches, den sie bei null sieht, fragen. Man kann das Buch und die Umstände seiner Veröffentlichung bei gleichzeitiger Skandalisierung wie Jens Rosbach im Deutschlandfunk für literarisches Fastfood und geschmacklos halten, ohne damit ganz daneben zu liegen. Und auf alle Fälle sollte man die im Buch beständig vorgenommenen Verallgemeinerungen und Fortschreibungen von Kategorisierungen – angefangen bei “die Deutschen” – kritisieren. Das hilft aber alles nicht über die Feststellung hinweg, dass es in Deutschland sehr wohl eine antisemitische Grundhaltung gibt, über die viel mehr gesprochen und geforscht und die vor allem viel stärker als der Skandal, der sie ist, gebranntmarkt werden müsste.

Sehr schön – und sehr berechtigt – in diesem Zusammenhang auch die Frage, die die Jüdische Allgemeine im Interview zur Top Ten Liste an Efraim Zuroff vom Simon Wiesenthal Center stellt: “Warum hat es Günter Grass in diesem Jahr eigentlich nicht in die Top Ten geschafft?” Antwort: “Sie glauben ja gar nicht, wie schwierig es ist, ein Who’s who der Antisemiten zu erstellen, und dabei niemanden zu vergessen.”

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Freitag, 21. Dezember 2012

Flughafen Tempelhof

(c) Bernd Eichhorn

 

Auch wenn Jerry Seinfeld seine Gags und ganze Serien wie Curb Your Enthusiasm nach wie vor aus Unbehagen vor dem ihn anblinkenden Cursor mit einem großen Stift auf gelbe Blöcke schreibt: Digital ist in bestimmter Hinsicht schon besser, und das Internet kann durchaus was. Zum Beispiel kleine Filme bereithalten, in denen Jerry Seinfeld seinen Schreibprozess erklärt. Was allein schon eine schöne Sache ist.

Aber auch ernsthaften Journalismus kann man darin nachvollziehbar, detailreich und – mindestens von der Anlage her – seriös aufbereiten. Vom aktuellen Korrespondenten-Bericht über Streubomben des Assad-Regimes aus Maraa in Syrien bis zur großangelegten Reportage über ein Lawinenunglück in der Washingtoner Cascades Range im Februar diesen Jahres. “Snow Fall”, so der Titel des Projekts der New York Times, zeigt vor allem eins, nämlich wie gewinnbringend man unterschiedliche Formate einbinden und im Sinne der Verbesserung der Anschaulichkeit seiner Sache nutzen kann, wenn man sich ein wenig Mühe dabei gibt. Das muss dann also gar nicht immer aussehen wie bei Spiegel online oder der taz mit ihren schwarzen Flächen über den Texten (– trotzdem Danke für den Hinweis auf die Snow Fall-Site).

Man kann aber auch ganz andere Gebiete bearbeiten und anderen Menschen ästhetische Freude bereiten. Wie Bernd Eichhorn mit seinem Archiv an Berlin- und Ostsee-Fotografien, dem das obige Bild des sommerlichen Tempelhofer Felds entliehen ist.

Weil das alles so angenehm und toll ist, ist es vielleicht gar nicht verkehrt, ein bisschen zum Erhalt der ganzen Sache an den (hoffentlich) richtigen Stellen beizutragen. Zum Beispiel indem man für die Sicherung der Unabhängigkeit von Wikipedia spendet. Oder für das Weltverbesserungs-Netzwerk avaaz.org, auch wenn sich an diesem Beispiel sofort wieder zeigt, wie schnell gut gemeint euphorisches Bewegen-Wollen auf den Holzweg führen kann.

Das nur heute, kurz vor Weihnachten, wo die Spendenlust groß ist und manch eine und einer mal wieder gar nicht wissen, wohin mit dem ganzen Zaster. Wer für sein Gutmenschentum dennoch eine weniger virtuelle Lösung sucht, dem sei wie immer die Unterstützung von Pro Asly empfohlen. Oder ganz direkt das Abliefern von ausgetragener Winterkleidung beim Migranten-Camp auf dem O-Platz.

Und für den Fall, dass das Internet nach all dem Lob gleich von allein (oder auf Betreiben böser Mächte) herunterfährt und mindestens bis ins nächste Jahr Winterferien macht wie alle anderen auch: eine frohe Jahresendzeit und einen guten Rutsch!

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Freitag, 14. Dezember 2012

Während die taz-Kritik behauptet, mit Killing Them Softly habe der Australier Andrew Dominik durch billig zu habende und nebulöse Kapitalismuskritik den Genrefilm mit politischer Aussage generell verabschiedet, sei an dieser Stelle noch einmal eine Lanze für den großartig besetzten und gespielten, düsteren Film gebrochen. Der geht in seiner allein der Reibungslosigkeit der Geldzirkulation auf allen Ebenen verpflichteten Ausweglosigkeit deutlich über alles hinaus, was man in der letzten Zeit an an Tarantino geschulten und letztlich doch wieder bloß lustig ironischen Fabeln vom Scheitern des amerikanischen Traums zu sehen bekommen hat. “Schon lang”, schreibt Tobias Kniebe in der Süddeutschen “ist kein Gangsterstück mehr so klar in der Zeit verortet gewesen wie dieses hier.” Womit er mal Recht hat.

And now to something completely different (– muss mal wieder, wie es scheint): Absolut lesens- und bedenkenswert ist dieser Artikel zum Aufschrei der Weltöffentlichkeit als Reaktion auf die Ankündigung des Baus von 3.000 Wohnungen in Maaleh Adumim, einer ca. 7 Kilometer von Jerusalem entfernten Stadt. Man muss das ja vielleicht nicht gleich wie bei Lizas Welt gefunden als “Aufbau Nahost” feiern. Aber bevor man mit den Massen mindestens reflexhaft anti-israelisch mitschreit, kann man sich ja vielleicht doch mal wenigstens informieren, worum es eigentlich jeweils konkret geht.

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Freitag, 14. Dezember 2012

Nachdem die Zeiten der euphorischen Verschränkung von Nachtlebenkultur und Selbstausbeutung in so genannten kreativwirtschaftlichen Nischen zumindest für die ersten beiden Generationen allmählich vorbei scheinen, geht der Trend bei gereiften Protagonisten ganz offensichtlich zu neuen Formen von Freizeit-Buddhismus und Neo Schamanentum.

Hatte es Avi im Privaten bereits seit Jahren verwundert, dass einstmals politisch wache Köpfe sich seit Ende der Neunziger darauf verlegten, ihren Reise- und Lebenshedonismus (um deren ungefiltertes Ausleben man sie unter Umständen noch hätte beneiden können) mit krudesten Weltverschwörungstheorien kurzzuschließen, so war jetzt offensichtlich die nächste Welle im Anrollen: Lebensberichte von zu Neo Schamanen bekehrten Ex-Art-Direktoren mitten aus dem Zentrum der Agenturlandschaft. Und mit einiger Sicherheit konnte man annehmen, dass das, was Harald Renkel und andere bisher im Selbstverlag herausgaben, schnell auch von Publikumsverlagen als aktuelles Update eigentlich überholt geglaubter Trends entdeckt und breit vermarktet werden würde. Man google dazu bei Interesse selbst.

Oder – besser – man beschäftige sich mit der anderen Seite. In der Jungle World findet sich diese Woche ein interessantes Interview mit zwei Mitgliedern von Crimethinc, einem dezentralen anarchistischen Kollektiv, das sich unter anderem Gedanken darüber macht, wie in nachrevolutionärer Zeit mit Call Centern und anderen Auswüchsen des derzeitigen Kapitalismus umgegangen werden soll: “Das wird ganz anders aussehen als in den Phantasien der Leute vor hundert Jahren, als die Idee war, dass wir einfach die Fabriken für uns arbeiten lassen, dass wir einfach weiter Waren produzieren. Heute, da immer mehr Leute Dinge tun, die außerhalb des kapitalistischen Rahmens keinen Sinn ergeben wie beispielsweise Telefonmarketing, wird die Beschlagnahmung der Produktion tatsächlich viel destruktiver aussehen. … Es gibt keine natürliche Welt, zu der man zurückkehren könnte. Es wird keine primitivistische Zukunft gebeben, sondern eine Steampunk-Zukunft, in der all die vom Kapitalismus produzierten Trümmer einem Nutzen zugeführt werden.”

Im Gegensatz zum esoterischen Rollback in Berlin Mitte gibt es hier jedenfalls eine ganze Menge Bewusstsein in Bezug auf einige die Gegenwart prägenden Realitäten wie die mannigfaltigen Arten der Vergesellschaftung inmitten gleichzeitig existierender und zu überwindender Widersprüche. Vor allem aber dafür, dass die Inseln, auf denen sich von Dingen wie dem Ausstieg ins Schamanentum halluzinieren lässt, enger werden und umkämpfter. Was dann eben auch heißt, dass Felder, auf denen es keine Emanzipation, keine Revolution und keinen Fortschritt gibt, vom Faschismus besetzt werden können. Nachzulesen demnächst hier.

Apropos nachlesen. Hier noch der erweiterte Teaser zu irgendetwas ganz Großem, das irgendwann einmal kommen wird. Als Gesellschaftsroman nach den Gesellschaften, wie wir sie kennen, als Film oder ganz anders: Ein halbes Jahrtausend oder: Strand der Toten

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I am simultaneously happy and unhappy, exalted and depressed, overcome by both pleasure and despair in the most contradictory harmonies. I am so cheerful and yet so sad that my tears reflect at once both heaven and earth. If only for the joy of my sadness, I wish there were no death on this earth.

(E.M. Cioran, via Alfredo Jaar)

 

Mittwoch, 25. Juli 2012

Den Gegenpol zur Koonsschen mit Traditionsverweisen kunstmarktkomplexitätsgerecht angereicherten Affirmation des US-amerikanischen Glücksversprechens, dass jeder das Paradies auf Erden zu erreichen in der Lage sei, kann man noch bis zum 19. August in der NGBK besichtigen: das aus der Feindlichkeit seiner Umgebung geborene intervenierende Frühwerk des chilenischen Künstlers Alfredo Jaar. Die Schrecken der von Gewalt-, Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen geprägten globalisierten und militarisierten Welt werden hier in subtiler Form in den öffentlichen Raum zurückprojiziert – häufig mit Hilfe eben der Medien, die normalerweise dazu dienen, gesellschaftliche Hegemonie als öffentlichen Meinung im Sinn der herrschenden Verhältnisse zu verallgemeinern und durchzusetzen.

 

Sind Sie glücklich? (– im Jahr vier nach dem Militärputsch)

 

Besonders empfohlen sei hier der opulente Katalog, der mit Textbeiträgen unter anderem von Chantal Mouffe nicht zuletz der Bedeutung des Künstlers als organischem Intellektuellem in Gramscis Denkart nachgeht – der auch nach einem Jahrzehnt der Beschäftigung mit dem Genozid in Ruanda noch entgegen einem notwendigen Pessimismus des Intellekts mit dem italienischen Philosophen auf einem Optimismus des Willens beharrt – wenn er diesen auch mit dem Zusatz versieht, er sei nicht “comletely convinced”. (Und um die Zeit der Jahrtausendwende bemerkt, dass seine Arbeiten im Lauf der Zeit einen Gutteil ihrer ursprünglichen Leichtigkeit verloren haben.)

Eine ähnlich gesellschaftlich-organische Rolle sieht im taz-Interview der Schriftsteller Mohammad al-Attar (ebenfalls beseelt von einem nicht unbeträchtlichen Herzensoptimismus, wie es scheint) für die syrischen Künstler in der Zeit nach der Revolution vor: “In solchen Situationen sind Kultur und Kunst kein Luxus, sie sind notwendig. Es wird eine ihrer großen Aufgaben sein, den Umgang mit Schmerz und die Erinnerung an ihn kritisch zu begleiten. Nur dann können die tiefen Wunden heilen.”

 

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Dienstag, 26. Juni 2012

Während die einen sich mit den Ekelhaftigkeiten des deutschen EM-Patriotismus befassten und ein alles überragender Andrea Pirlo auf seine alten Tage als cooler Fußballgott in die Geschichte einging, reichte ein kurzer Blick in die Tageszeitungen um zu erkennen, dass weder im Sudan noch in Syrien, Arizona, im Euro-Raum oder sonst irgendwo auf der Welt irgendetwas besser wurde. Außer vielleicht in Kabul, wo als Außenstelle der dOCUMENTA 13 eine militärisch abgesicherte Nische für die junge afghanische Kunstszene geschaffen worden war. Thema: Zusammenbruch und Wiederaufbau. Die taz will von hieraus erst die Kasseler Ausstellung entschlüsselt haben. Avi hatte derweil in erster Linie das Bedürfnis, sich zu erholen. Von einer Hochzeit am Wochenende, dem Wechselwetter, der mit den Jahren, wie es schien, immer angeschlageneren Gesundheit und für die anstehenden Produktionen und Veränderungen.

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