— weltwundern.net

Archive
Blick auf die Welt

Er: Weißt du, woran man merkt, dass man wieder ein kleines Stück weitergekommen ist im Leben? Daran, dass etwas hakt. Unterhosen-technisch, in diesem Fall.
Sie: Unterhosen-technisch?
Er: Klar. Die feinen Unterschiede und so.
Sie: Heißt in dem Zusammenhang?
Er: Dass der Markenname nicht mehr fett außen auf dem Bund steht, sondern innen.
Sie (gelangweilt): Interessant …
Er: Ja. Ist aber irgendwie komisch. Und geht auf auf Kosten des swag.
Sie: So ist das, wenn man aufsteigt. (Lacht) Vielleicht trägst du deine briefs aber auch nur auf links?
Er (leicht pikiert): Eher nicht.

Read More

Heute deutschlandweit in den Wirtschaftsteilen der Funke Mediengruppe (als Aufmacher für die Woche): Neues aus dem Prekariat auf Rädern.

Read More

wolken

Regisseur: Scheiße, jetzt regnet’s ja doch richtig. Ich muss los!
Redakteur: Ich auch. Wie spät ist es denn?
Regisseur: Fünf nach neun.
Redakteur: Dann geht’s ja.
Regisseur: Ja.

Architektin: Ich war neulich auf einem Symposium zum Neoliberalismus. Fazit: alles großer Mist mit wenig Aussicht auf Verbesserungen.
Regisseur: So sieht’s wohl aus.
Redakteur: Wofür macht man dann sowas?
Regisseur: Was? Neoliberalismus?
Architektin: Darüber reden?
Redakteur: Ich muss jetzt doch los.
Regisseur: War klar.

Architektin: Die Veranstaltung hieß Theory and Politics beyond Neoliberalism. Mich hat vor allem das Beyond interessiert.
Regisseur: Und?
Architektin: Keine Chance, von heute aus betrachtet.
Redakteur: Es gibt ja durchaus auch intelligente Menschen, die sagen würden, der Wunsch, den Kapitalismus zu überwinden, sei kindisch und man solle lieber seine Potenziale nutzen lernen.
Regisseur: Solche Leute kennst du?

Architektin: Immer noch besser, als Martin Schulz als Hoffnungsträger zu sehen.
Redakteur: Wieso das denn?
Architektin: Weil die Sozis konformistisch sind, was nicht nur an ihrer schlechten politischen Taktik liegt, sondern vor allem daran, dass sie ganz und gar falsche Vorstellungen von Ökonomie und Arbeit haben. Sagt schon Benjamin in seinen Thesen über den Begriff der Geschichte. Hab ich im Anschluss an das Symposium nachgelesen.
Regisseur: Dann hat’s ja doch was gebracht.
Architektin: Genau. Arbeit, sagt Benjamin da, gilt den Sozis gegen jede Vernunft und jede ihre Organisation betreffende Beobachtung als der Heiland der neuen Zeit. Und Schulz klingt heute immer noch so. Außerdem wird er kaum anderes bringen als Schröder, dessen Agenda er seit den Anfängen im Präsidium mitgetragen hat.

Redakteur: Das nenn ich mal ein politisches Statement. Also heißt die Devise: weiter so und weiter rummotzen!
Regisseur: Wenn’s der Selbstvergewisserung dient.
Architektin: Wenn es kein Projekt gibt, mit dem man sich solidarisch erklären kann, muss man eben bei sich bleiben und sein Denken für sich schärfen. Flaschenpost und so.
Redakteur: Blabla. Hauptsache Adorno. Überlegt doch mal: Wenn ihr mit eurem Katastrophendenken recht habt: An wen soll denn dann bitte eine Flaschenpost gehen?
Architektin: Schwierige Frage. Neulich habe ich in einem Interview mit einem Klimaforscher gelesen, wenn vereinbarte Klimaziele nicht erreicht werden und der Meeresspiegel um etwa sieben Meter steigt, wird die Menschheit dennoch überleben – zumindest zum Teil.

Regisseur: Na, dann ist ja gut.
Redakteur: Sehr lustig. Ich muss los. Regnet auch kaum noch.
Regisseur: Ich auch. Ich schau mir später Julian Radelmaiers Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes im Kino an. Soll formal sehr radikal und auch ganz witzig sein.
Architektin: Cool. Da komm ich mit.
Regisseur: Äh …
Architektin: Warn Spaß. Da arbeite ich noch.

Redakteur: Ich geh mal zahlen.

Read More

volksbuehne_rad

Gestern Abend noch mal bei Marthaler gewesen. Hallelujas. Sentimental, groß, schön. Allein schon wegen der Möglichkeiten dieses einmaligen Raumes. Genau: in der Volksbühne – für Diederichsen “als langlebigster und sich zugleich dynamisch entwickelnder Speicher und Transformator auch ein Archiv der Erfahrungen, die in Berlin und seinem kulturellen Einzugsgebiet seit den 1990er Jahren gemacht wurden.” Worüber heute vor Ort unter dem Titel Reden: Im Zentrum des Übels noch einmal diskutiert werden soll.

Natürlich stimmt es traurig, wenn eine Ära zuende geht, die eben auch mit eigenen Erfahrungen verknüpft ist. Selbst, wenn man seit zehn Jahren oder länger darauf gewartet hat, dass der (in Wahrheit noch gar nicht so) alte Mann mit dem Stalin-Bild im Intendantenzimmer irgendwann abtritt. Selbst, wenn man die Grenzziehungen in der unsäglichen Debatte über die Ablösung seltsam falsch gefunden hat und das, was da kommt, erst mal sehen möchte, bevor man es (dann vielleicht doch) verdammt. Aber die Polleschs, Fritschs und Marthalers dieser Welt werden weiter machen, wenn auch nicht mehr in der allerdirektesten Nachbarschaft.

Für 2017 muss jedoch festgehalten werden, dass Fußläufigkeit eher kein dezidiert emanzipatorisches Argument ist. Und die Vorstellung von der kuscheligen Community hat sich längst ein identitärer Diskurs unter den Nagel gerissen. Andererseits: Sentimentalität (siehe oben) gehört ins Theater – nicht ins Wahlprogramm der SPD.

Read More

wolf

Read More

“Ich hörte zu, ich verstand, ich war einverstanden, ich fand solche Äußerungen beruhigend und hatte recht damit, denn sie waren zur Beruhigung bestimmt: nichts ist unheilbar, und in der Tiefe bewegt sich nichts, die vergeblichen Erregungen an der Oberfläche dürfen uns nicht vergessen lassen, dass sich darunter eine tödliche Stille verbirgt, die unser Los ist […] Unsere Besucher gingen nach Hause, ich blieb allein, entschlüpfte dem banalen Friedhof und kehrte zurück zum Leben, zum Wahnsinn in den Büchern […] Aber dies Originale sahen gar nicht so aus, als richteten sie sich nach unseren Grundsätzen, und selbst dort, wo ihre Motive erläutert wurden, kam ich nicht mit. Brutus tötet seinen Sohn, und Mateo Falcone tut es auch. Diese Praxis schien also ziemlich verbreitet zu sein, trotzdem machte in meiner Umgebung niemand davon Gebrauch.” (Sartre, Die Wörter)

“Die Unmöglichkeit, irgendetwas sicher zu wissen oder zu fühlen, erzeugte in mir einen starken Drang zu onanieren.” (McEwan, Der Zementgarten)

Read More

Heimatkaffee

Es hatte lang gedauert, bis Matthes seine Stimme gefunden hatte. Eine Ewigkeit. Allein um darauf zu kommen, dass die Stimme das wirklich entscheidende war, benötigte er zwei Dekaden seiner Lebenszeit. (Vielleicht war er langsam und ein Spätentwickler.) Ein eigener, prägnanter Ausdruck war Voraussetzung für einen Platz in der Welt, der nicht von vornherein zufällig und grundsätzlich anfechtbar war. Immer hatte er, wie ihm jetzt schien, die falschen, ganz und gar banalen und an jedem Kern einer möglichen Sache (oder eher Essenz) vorbeigehenden Fragen gestellt; beständig hatte er  an der Verbesserung absolut unwesentlicher Fähigkeiten gearbeitet: natürlich vergebens. Dann war er eines Morgens aufgewacht, und alles war ihm ganz klar erschienen. Es hatte buchstäblich vor seinem inneren Auge ausgebreitet dagelegen, übersichtlich und geordnet. Wenn alles wesentlich Durchdringung, Vermischung und Anreicherung war, musste man Anreize schaffen, dass andere genau das wollten: sich mit einem vermischen. Auf Übernahme der eigenen individuell-besonderen Züge in die Welt (im Sinne einer Bereicherung ihrer vorübergehenden und hinfälligen Substanz) konnte nur hoffen, wer gehört und mit Wohlwollen gehört wurde.

Read More

elbphilharmonie

Read More

“Als ich dann vor dem Gebäude den Central Park West entlangging, schaute ich hinüber zu den Bäumen, deren Blätter sich bereits voll entfaltet hatten, und empfand ein Gefühl von unsäglicher Fremdheit. Am Leben zu sein ist unerklärlich, dachte ich. Das Bewusstsein ist unerklärlich. Nichts auf der Welt ist normal.”

Siri Hustvedt, Was ich liebte

Read More

duesseldorf turkeyfrankfurt bock berlin ata turm

Read More