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Nachtrag zur Beschleunigung

Letzten Montag, vor dem Deutschlandspiel, daher immer mit Blick auf Uhr und Ende (auch eine Form der Beschleunigung): Die Akzelerationisten stellen bei Pro qm ihren Reader #Accelerate#2 (Spekulation) vor. Mit: Armen Avanessian, Robin Mackay, Patricia Reed, Alex Williams und Steven Shaviro.

Wer nach Lektüre des im Mai 2013 im Netz veröffentlichten ACCELERATE MANIFESTO mit seinen recht konkreten Schritten zur Etablierung einer antikapitalistischen Hegemonie (“First, we need to build an intellectual infrastructure …”) jetzt einen Bericht vom Stand der Dinge und der Bewegung erwartet hatte, wurde enttäuscht. Das raunende Insistieren darauf, dass der Begriff der Akzeleration ein häretischer sei, der seit den Tagen des frühen Marx durch die Theoriebildung geistere, hilft bei der Suche nach Strategien und Verbündeten ungefähr soviel wie das Bashing von Žižek und seiner Londoner “Idee des Kommunismus”-Konferenz.

Immerhin gut zu erfahren, dass kritische Theorie hier zur Kenntnis nimmt, auf welchen Wegen ihre potenziellen Adressaten heute erreichbar sein könnten: Da draußen bestimmen Laptops, Smartphones, Social Media und Hashtags das Kommunikationsverhalten! Ob dieses Wissen allein allerdings schon ausreicht, um sich mittelfristig an die Spitze von Innovation und Beschleunigung zu setzen und den Konzernen ihren Technologievorsprung zu entreissen, bleibt fraglich. (Vielleicht wäre ein erster tastender Schritt in diesem Zusammenhang, sich als nächstes Gadget zur Abwechslung mal ein fairphone zu bestellen?)

Auf die Frage nach dem konkreten politischen Nutzen des neuen Lables jedenfalls beharrt Steven Shaviro denn auch darauf, dass das Feld des Akzelerationismus für ihn eher im Ästhetischen zu liegen scheint. An Armen Avanessians  Stirnrunzeln ist abzulesen, dass er damit nicht für alle Anwesenden spricht.

Wie dem auch sei: Kurz vor zehn muss aus Rücksichtnahme auf die WM in Brasilien sowieso Schluss sein. Und – thanks to Steven Shaviro – nimmt man auf alle Fälle zwei Ideen mit in den angenehm lauen Abend: 1. Oscar Wilde lesen. Der war seiner Zeit bekanntlich voraus. 2. Noch mehr lesen: Dystopien von Richard K. Morgan.